Ich war…

…ein paar Tage in Mallorca.

Und ich bin dabei, umzusiedeln.

Deshalb ist der Minibericht nun auf einer neuen Seite. Die älteren Beiträge von Kuba und den anderen Reisen schaut man besser noch hier an, den übersiedelten Seiten fehlen die Fotos. Alles nicht so einfach.

Aber hier erst mal Mallorca im Winter. Oder Frühling:

http://seniorin.at

 

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Der Fahrer gewinnt immer

Noch einmal Taxi particulares. Die Fahrtdauer ist mit dreieinhalb Stunden angesetzt, das Auto wieder alt, aber nur mit zwei Sitzreihen. Innerlicher Jubel: Also haben nur 5 Passagiere Platz. Wieder ist der Fahrer überpünktlich vor unserer Türe und wieder müssen wir vor der nächsten Unterkunft warten, weil unsere Mitreisenden gemütlich fertig frühstücken müssen. Eva hat inzwischen festgestellt, dass der mittlere hintere Sitz nur eine dünne Stoffschicht über den Metallfedern hat, und wir wechseln auf die vorderen Sitze. Wenn wir schon warten müssen….

Dann kommen drei junge Männer mit unendlich viel Gepäck aus der Tür, Studenten die das Ende ihres Auslandsemesters mit einem Abstecher über Kuba feiern. Große Aufregung, der Zimmerwirt sieht sich um seine Vermittlungsgebühr betrogen, weil er den Taxifahrer nicht kennt, die beiden Amistudenten haben Panik, weil ihre hübschen Riesenkoffer nicht in den Kofferraum passen und aufs Autodach sollen. Nur der Student aus Deutschland möchte unbedingt in diesem Auto fahren. Er ist erst einen Tag in Kuba und weiß nicht, dass alle Gemeinschaftstaxis ähnlich alt, ähnlich „typisch kubanisch“ und ähnlich stylisch sind. Wir wünschen uns, dass er sich durchsetzt damit endlich alle einsteigen und wir losfahren können.

Nix ist. Nach ewigen Diskussionen steigt nur unser Fahrer wieder ein. Natürlich fahren wir nicht nach Varadero sondern zu einem Platz, wo noch andere Autos wie unseres stehen. Der Fahrer steigt erst mal aus, raucht eine Zigarette, plaudert ein bisschen mit den anderen, telefoniert. Wir ärgern uns nur ein ganz kleines bisschen, haben schon gelernt, dass man manche Dinge nicht ändern kann. Dann steigt unser Boss wieder ein, erklärt uns, dass wir nicht sagen sollen, wie viel wir für die Fahrt bezahlt haben (20 CUC) und fährt dann los. Eva stoisch: „I waß scho, wo der hin foat“.

Die drei Studenten und ihre vielen Koffer stehen noch immer an der Straße. Jetzt dürfen die Koffer auf das Dach gebunden werden, die Jungs steigen brav hinten ein und jeder bezahlt 25 CUC. Fast genießen wir diese letzte Fahrt, finden es lustig, dass auch dieser Fahrer den Mädchen nachpfeifen muss, zwingen uns nicht zu genau hinzuschauen, wie komisch lange der Mann am  Lenkrad drehen muss, bis es reagiert. Wir grinsen als die Jungs dem Fahrer erklären wollen, dass wir keine Rast brauchen. Wir wissen, dass sie keine Chance haben. Vielleicht braucht ja das Auto wirklich eine Pause, sicher aber ist, dass diese Zwangspausen mit der Hoffnung auf eine Konsumation und damit eine „Vermittlungsgebühr“ zu tun haben.

Dann sind wir in Varadero, unsere Reisbegleiter werden immer stiller und auch der Fahrer ist sich nicht ganz sicher, aber die Adresse führt ihn immer weiter hinaus auf der Landzunge zu den noblen Hotels, zur Einfahrt Richtung einer riesigen edlen Pyramide. Man kann da nicht einfach hinein fahren, muss erst zeigen, dass man wirklich Gast ist….Ich hab das Gefühl, in den Augen der Jungs sind aus den coolen älteren Ladies zwei Verräterinnen geworden.

Was soll’s. Wir sind auf der letzten Etappe unserer Reise angelangt, ein Portier hilft uns mit dem Gepäck, bietet uns Champagner an (okay, wird Sekt sein), die Zimmer sind noch nicht ganz fertig, die Mittagszeit schon vorbei. Am Pool gibt es Würstchen und Pommes und die Tischchen sind hübsch gedeckt. Auch das ist Kuba. Ist das auch Kuba?

 

Zucker ist aus Blut gemacht

Die ersten Spanier, die sich hier niederließen, haben erfolglos nach Gold gesucht und so verließen die meisten Familien Ende des 16. Jahrhunderts ihre Häuser und Trinidad versank in Bedeutungslosigkeit. Ein bisschen Schmuggeln, ein bisschen Viehandel, Kampf gegen Piraten…das wars auch schon. Zweihundert Jahre danach sollte sich das grundlegend ändern. Es begann der Siegeszug des Zuckers. Das Klima für die Pflanzen ist ideal und der Hunger Europas nach Zucker war gewaltig. Wie groß der Reichtum der Zuckerbarone dadurch wurde, kann man erahnen, wenn man deren Häuser in Trinidad besucht. Es ranken viele Geschichten um deren Geldgier und einiges wird wohl wahr sein.

Dass dieser Reichtum auf Kosten anderer erworben wurde, wird uns im Vale de los Ingenios so richtig bewusst. Wir fahren mit einer alten Eisenbahn, die für Touristen aufgemotzt wurde und deren Fahrpreis im vergangenen Monat um 50 Prozent erhöht wurde (Hilfe für das kubanische Volk 😉 ) Mitte des 19. Jahrhunderts drehten sich noch die Räder von 48 Mühlen und das ganze Tal mit Zuckerrohr bepflanzt war. Da es kaum Maschinen gab, musste die Arbeit von Sklaven erledigt werden, die nicht als Menschen galten und grausam „gehalten“ wurden. Heute gibt es nur noch ein paar Zuckerrohrfelder, verfallene Sklavenunterkünfte, rostige Fabriksgebäude und Reste von Lagerhäusern. Eine traurige Geschichte erzählt der eigentlich hübsche Torre Manace Iznaga. Auf dem gut 40 Meter hohen Turm überwachten Aufseher das Heer der Sklaven um im Falle einer Flucht die Hatz der Sklavenjäger einzuleiten. Man mag sich nicht vorstellen, wie viel Menschenverachtendes hier verbrochen wurde. (Und ganz leise gesteht man sich ein, dass auch heute noch vieles nicht stimmt auf unserer Welt….)

 

Morgen soll es nach Varadero gehen und wir wissen schon, dass dann vieles anders sein wird. Deshalb lassen wir uns zum Abschied noch einmal von unserer Gastgeberin bekochen und von ihrem Mann bedienen. Heute ist es ein bisschen teurer, aber wieder ungleich besser als in den Restaurants und sehr hübsch in dem kleinen Innenhof unserer Unterkunft. Zufall? Ich weiß es nicht. Link: Unsere Unterkunft in Trinidad

Hilfe für das kubanische Volk

Wenn man über Airbnb eine Unterkunft in Kuba buchen möchte, dann muss man zusätzlich zum üblichen Buchungsvorgang auch anklicken, warum man nach Kuba kommen möchte. Da stehen dann die unterschiedlichsten Dinge zur Auswahl, aber nichts wie „einfach Urlaub machen“ oder „Land und Leute kennenlernen“. Ich habe dann etwas, das klang wie „Reisebericht schreiben“, angeklickt, immerhin habe ich ja einen Blog. 😉 Später habe ich erfahren, dass Airbnb empfiehlt „Hilfe für das kubanische Volk“ auszuwählen.

Spätestens in Trinidad weiß ich warum. Lorenzo, der Italiener den wir immer wieder auf unserer Reise treffen, hat es etwas anders ausgedrückt: „Sometimes I feel like a walking cash machine“.

Es ist nicht so wie in vielen armen Ländern, dass aufdringlich gebettelt wird, es gibt auch kein Elend hier, ich denke, dass keiner hungern muss, die Krankenversorgung ist vorbildlich und auf gute Schulen samt Schuluniform und Essen wird geachtet. Aber einen gewissen Luxus – beispielsweise besondere Kleidung, elektronische Geräte, Essen außerhalb der Grundnahrungsmittel, … – kann man sich nur mit CUC leisten, dem Touristengeld das in etwa einem Euro oder einem Dollar entspricht. Touristen scheinen über diesen Luxus im Übermaß zu verfügen und so versucht so mancher Einheimische mit irgendwelchen Dienstleistungen an die erstrebten Münzen zu kommen. Überall soll man Eintritt bezahlen, vor fast jedem WC sitzt eine Frau mit einem Tellerchen, die dir ein paar Blätter Clopapier gibt, die Musiker, die oft wirklich tolle Musik machen, gehen nach höchstens drei Musikstücken mit einem Körbchen durch die Zuhörer und jeder möchte eine Taxifahrt vermitteln. In Trinidad ist das schlimmer als an den Orten wo wir früher waren. Manchmal stresst das, wenn man mehr bezahlen soll als auf der Speisekarte oder am Schild angegeben oder auf den Märkten wo das Verhältnis von Kaufenden und Verkaufenden nicht zusammen passt – ich verliere dann jede Lust, den Frauen auch wirklich etwas abzukaufen. Dann denke ich wieder, man sollte das entspannt angehen und „dem kubanischen Volk“ wirklich gelegentlich ein paar Münzen gönnen. Die Touristenströme haben erst begonnen, ich fürchte in ein paar Jahren wird das noch deutlich ungemütlicher. Schade, es wären wirklich sympathische Menschen…

… und es ist so wunderschön in Trinidad, am Hauptplatz auf den Stiegen zu sitzen, Musik zu hören, Tanzenden zuzuschauen, in der lauen Nacht einen Pina Colada oder Caipirinha zu trinken, mit Lorenzo Erfahrungen auszutauschen und ein bisschen ins Facebook schauen. Letzteres funktioniert in Kuba nur in dicken Hotels oder auf dem jeweiligen Hauptplatz einer Stadt. Hat auch was.

¡Salud!

 

Weißt du noch?

Der Tag hatte ja schön begonnen. Wo sonst auf der Welt wirst du noch von krähenden Hähnen geweckt, wo spaziert die Henne mit ihren Kücken vor deinem Fenster, um mit ihnen wohlschmeckende Würmer und andere feine Dinge zu suchen? Und wo gibt es so ein tolles Frühstück!….

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Wir wussten natürlich, dass es nicht so bleibt. Unsere Gastgeber haben für die Fahrt nach Trinidad wieder ein Gemeinschaftstaxi organisiert. Sechseinhalb Stunden Fahrzeit war veranschlagt, wir wussten, dass es eine Raststelle gibt, wo die Zusammensetzung der Passagiere je nach Zielort neu gemischt wird – und wir hatten ja schon gelernt, dass die Autos ziemlich alt und ziemlich voll sein können.

Diesmal ist aber auch der Fahrer nicht sehr vertrauenserweckend.  Er erzählt, dass er um Geld zu verdienen, die Strecke täglich hin und zurück fährt. Schlaf erwischt er wohl nicht allzu viel und so benimmt er sich auch. Wenn er nicht gerade durch einen Ort fährt, wo er jeder(!) Frau, die etwa seine Altersklasse ist, nachpfeifen muss und sich dann aus dem Fenster hängt um ihr nachzuschauen, dann nagt er den letzten Rest von seinen Fingernägeln ab oder kratzt an seiner Haut herum. Oder er telefoniert ein bisschen. Wenn er telefoniert, fährt er etwas langsamer. Die verlorene Zeit holt er gleich danach wieder auf, überholt halsbrecherisch, hupt die Pferdefuhrwerke an, damit sie neben die Straße fahren um ihn vorbei zu lassen. Nicht nur ich habe das Gefühl, dass die Bremsen nur sehr zaghaft tun, was sie sollen….. Wir versuchen uns abzulenken und fangen an zu quatschen. Unser Italiener ist wieder dabei und auch sonst ein paar nette Leute. Geht doch!

Dann kommt die Rast- und Wechselstelle. Zwei Leute aus unserem Auto sollen umsteigen. Dann kommt der Fahrer mit vier neuen Passagieren, die er bei uns hinein zwängen will. Es war vorher schon eng, zehn Leute in dem Auto sind eine Zumutung. Wir wollen nicht. Der Fahrer schon. Es gibt nun mal mehr Menschen als Autoplätze. Der Fahrer setzt sich beleidigt in den Schatten und wir stehen blöd herum. In einem anderen Auto hat jemand die Polizei gerufen. Hat wohl nicht viel bewirkt, wir stehen noch immer herum. So lange, bis wir uns bereit erklären, zumindest noch eine weitere (nette) Frau herein zu schichten. Der Fahrer ist trotzdem beleidigt, er beißt noch mehr Nägel, telefoniert noch mehr, hupt Pferde an, überholt halsbrecherisch. Aber er spricht nicht mehr mit uns. – Wir hoffen alle, dass dieses Trinidad bitte endlich da ist. Es ist schon dunkel als unser Wunsch in Erfüllung geht. Wir haben fast neun Stunden gebraucht.

Dann behauptet der Fahrer auch noch, dass er nicht ganz bis zu unserer Unterkunft fahren kann. Da ist tatsächlich eine Sperre und so ziehen wir gefrustet unsere Koffer über grobes Kopfsteinpflaster. Immerhin ist es tatsächlich nicht weit.

„Weißt du noch, damals, … die Fahrt nach Trinidad, ….“, wenn wir später von unserer Reise erzählen werden wir uns sicher an so manches Detail dieser Fahrt erinnern können, wir werden grinsen, wenn wir davon erzählen. Aber, danke schön. Wiederholung brauch ich keine.

Reiten sollte man können

Reiten gehört nicht zu den Dingen, die ich in meinem Leben unbedingt lernen wollte. Heute habe ich das bedauert. Hier im Vinalestal, wo abseits einer einzigen Straße keine Autos fahren, wo anstelle von Traktoren Ochsenwagen und Pferdefuhrwerke ihre Arbeit tun, da würde sogar ich gerne – so wie Einheimische und auch viele Touristen – auf einem Pferderücken dieses Tal erleben.

Wir reiten stattdessen auf Eseln. Auf Drahteseln. Unser Führer ist Kubaner und spricht ausgezeichnet deutsch. Er wurde als junger Mann nach Dresden geschickt um Chemie zu studieren. Als die Mauer fiel, kam er wieder zurück an den Ort, den er liebt. Mehr als drei Stunden radeln wir mit ihm über Stock und Stein durch diese stille „Kulturlandschaft der Menschheit“ (UNESCO)  mit Bergen, welche die Einheimischen so passend Elefantenrücken nennen, mit Palmen, die es nur hier gibt, durch Tabakfelder und vorbei an Kaffeeblüten. Wir halten bei einer alten Dame, die ihren eigenen kleinen botanischen Garten pflegt und so gerne reden möchte (dafür reicht unser Spanisch nicht), er zeigt uns besondere Blüten und Früchte, mit denen er als Kind gespielt hat, so wie wir mit Kastanien, er führt uns an eine Stelle wo man die Felsmalerei Mural de la Prehistoria sehen kann ohne Eintritt zu bezahlen, und er kennt die besten Aussichts- und Rastplätze.

 

Kein Wunder, dass wir irgend wann derartig müde sind, dass wir nur noch heim in unser kühles Zimmer wollen. Dort gibt es wieder frischen Saft und auch am zweiten Abend sind wir total begeistert von den Kochkünsten unserer Gastgeberin, deren Produkte ihr Mann auf der Terrasse zwischen den beiden Häuschen serviert. Die Nächte sind so angenehm lau! Noch ein bisschen mehr Spanischkenntnisse wären allerdings schön gewesen.

Vinales – Wo die Zigarren wachsen

Wieder haben wir dem Fahrer nicht so recht getraut, als er da so langsam durch die Gassen von Vinales fuhr, unseren Adresszettel in der einen Hand, das wacklige Lenkrad in der anderen und den Kopf außerhalb des Fensters, Gassennamen suchend. Er blieb dann vor einem kleinen Häuschen stehen, bonbonfarben wie die andern in der Reihe, gepflegt aber eher ein nettes Ferienhäuschen, sicher nicht für eine Familie samt Gastzimmer. War es doch. Und es war einfach große Klasse dort!

Wie in dem Zuckerhäuschen Vater, Mutter, Großvater uns drei Söhne wohnen können, haben wir bis zum Schluss nicht verstanden. Wir wurden von einer Abordnung der Familienmitglieder herzlich willkommen geheißen, geradeaus durch das Haus durchgeführt und standen dann vor einem niegelnagelneuen kleinen Extrahaus, das genau aus unserem Zimmer samt Klimaanlage und hübschem Bad bestand. Unter dem erwartungsvollen Blick der Familienangehörigen durften wir es bewundern. Papa und Sohn haben es gebaut und es ist punktgenau bis zu unserer Ankunft (fast) fertig geworden.

 

Wie wir zu dieser Unterkunft gekommen sind? Daran ist Kiona Schuld. Sie ist Evas Großnichte, hat die Reiselust mindestens so sehr im Blut wie Eva, war schon in Kuba und führt einen ganz tollen Reiseblog. (Einziger Nachteil, er ist auf Englisch). Außerdem pflegt sie eine nicht näher definierte Beziehung zum Sohn des Hauses und hat sich ein bisschen zu einem Familienmitglied entwickelt. So hat sie auch gleich zwei Programmpunkte für uns vorbereitet.

Nach einer kurzen Verschnaufpause mit frisch gepresstem Ananas-Mango-Saft holt uns ——-(Eva! Wie hießt der noch?) mit seiner kleinen Tochter zu einem Spaziergang ab. Spaziergang? Wie unpassend ist doch dieses Wort für diese fremde Welt in die er uns geführt hat. Sein Vater ist selbst Tabakbauer und so kann er uns sehr gut zeigen, wie viel Handarbeit notwendig ist, wie Tabak angepflanzt, umgesetzt, gepflegt, vor Schädlingen geschützt, getrocknet wird. Wo Menschenhände Hilfe benötigen, gibt es anstelle von Traktoren Pferde und Ochsenkarren. Und weil er seine Heimat wirklich gut kennt, führt er uns genau zur richtigen Zeit an den Ort, wo die Sonne am schönsten untergeht.

 

…natürlich wurde uns auch gezeigt, wie Zigarren gedreht werden. Leider bin ich von den Dingen immer so begeistert, dass ich erst zu spät an fotografieren oder filmen denke. Eine kleine Erinnerung ist es dennoch geworden.